Die Diabetes Blog Woche hat heute gestartet und die Montags-Aufgabe ist es einen Brief an meinen Diabetes zu schreiben. Da mache ich gerne mit :)

dbw

Seit so langer Zeit gehören wir schon zueinander, dass ich mich an ein Leben ohne dich gar nicht mehr erinnern kann. Vor 20 Jahren am Nikolaus-Tag guckte ich morgens nach dem Aufstehen ganz aufgeregt in meine Schuhe, die vor der Tür standen und über und über mit lecker Weihnachts Naschi gefüllt waren. Ein Festmahl :) Gegessen habe ich davon jedoch NIE etwas. Meine Mutter hatte schon seit ein paar Tagen ein ungutes Gefühl und kannte die typischen Diabetes-Symptome von befreundeten Diabetikern. Seit Tagen wirkte ich müde, war wahnsinnig durstig und verlor an Gewicht. Also stand auf dem Tagesplan ein Besuch beim Hausarzt und der schickte uns gleich weiter ins Krankenhaus, Diagnose: Diabetes Typ1! Alles Gute zum Nikolaus! Und seit dem Tag, dem 06.12.1994 gehören wir zusammen. Obwohl ich das ein oder andere mal gehofft habe, dass du irgendwann einfach wieder still und heimlich verschwinden wirst, dass eine Wunderheilung geschehen wird, hältst du mir tapfer die Treue!

Mir hätte das ja gereicht, aber du hast dich immer noch einsam gefühlt und beschlossen  nur 6 Wochen nach meiner Diagnose deinen Bruder dazu zu holen. Eine Ladung Diabetes für meine kleine Schwester. Das fand ich nicht cool! Sie hatte am Tag meiner Diagnose aus Solidarität all ihren Süßkram verschenkt und ich dachte nur, dass so was unfair ist. Sie litt doch schon mit mir.

Nun hatten meine Eltern also zwei kleine Kinder im Alter von 5 und 7 Jahren, beide mit der Diagnose Diabetes Typ1. Für uns beide war es sicher hilfreich gemeinsam durch diese Zeiten zu gehen, den damaligen Ernährngsplan zu leben, zu spritzen, messen und den Essabstand einzuhalten. Wir waren noch jung und sind da so reingewachsen. Zu meinen Eltern, besonders meiner Mutter hättest du aber oft netter sein können!

Mittlerweile gehören wir einfach zusammen. Wir haben viele verschiedene Zeiten miteinander durchlebt. Am Anfang hat sich meine Mutter um uns gekümmert und dich im Zaum gehalten, aber umso älter wir beide wurden, umso mehr rebellierten wir und das Zusammenspiel war wirklich nicht immer einfach.

Es hat eine Weile gedauert, bis wir das heutige Verhältnis zueinander aufbauen konnten. Ich brauchte Zeit. Doch schon immer wusste ich, dass ein gutes Zusammenleben mit dir nur Möglich ist, wenn ich dich auch beachte und gut behandel. Trotzdem ist es so, dass nicht du mein Leben bestimmst, sondern ich DICH, meinen Diabetes. So läuft es gut. In den letzten 2 1/2 Jahren haben wir gemeinsam eine neue Tür geöffnet. Ich habe angefangen über uns zu schreiben und mich mit anderen Diabetikern zusammenzuschließen. Wir sind mittlerweile eine tolle Community geworden, in der wir uns gegenseitig viel Kraft geben und inspirieren. Seit dieser Zeit betrachte ich unser Zusammenspiel noch mal wieder mit ganz neuen Augen. Du nervst mich immer noch manchmal, aber du hast mir auch die Chance gegeben ganz besondere Menschen kennenzulernen, sehr achtsam mit meinem Körper umzugehen, an tollen Projekten mitzuarbeiten (HHStammtisch, #dedoc, LzdM, CGMFUERALLE) und selbstbewusst durchs Leben zu gehen.

Ich habe gelernt, wie wir uns gemeinsam weiterentwickeln können und so passen wir zueinander.

Damals... aus einem Zeitungsbericht über UNS ;)

Damals… aus einem Zeitungsbericht über UNS ;)

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